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Soll die Vorschule zur Pflicht werden?

Private Finanzen

Die Bildungsforscherin und Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin, Jutta Allmendinger, hat sich für eine Vorschlupflicht ausgesprochen. „Ich plädiere dafür, zumindest die letzten Jahre im Kindergarten in eine Vorschule umzuwidmen, dann kann man sie auch verpflichtend machen“, sagte die Soziologin dem Handelsblatt. Der neue Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz ab dem ersten Geburtstag sei zwar ein Fortschritt, „aber auch hier haben wir noch eine Lücke“. Denn Kinder aus sozial schwachen oder Migrantenfamilien würden seltener und später in den Kindergärten angemeldet. „Das ist hochproblematisch, weil sie so weniger gefördert werden und Bildung verpassen“, sagte Allmendinger. „Die Empirie zeigt eindeutig, dass Kinder wesentlich besser in der Schule sind, wenn ihr Sprachvermögen schon im Kindergarten geschult wird.“

Eine Kindergartenpflicht wird bislang aus den genannten Gründen zwar immer mal wieder diskutiert, gilt bisher aber aus rechtlichen Gründen als nicht durchsetzbar. Bisher haben sich vor allem einige SPD-Politiker für eine solche Pflicht ausgesprochen. Dazu gehören die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, Sozialminister Norbert Bischoff in Sachsen-Anhalt sowie der Berliner SPD-Fraktionschef Raed Saleh und der bundesweit bekannte Bürgermeister von Berlin Neukölln, Heinz Buschkowsky.

Generell sieht Allmendinger eine wachsende Ungerechtigkeit im Bildungssystem: „Auch wenn die Zahl der Schulabbrecher niedriger wurde – sie ist immer noch zu hoch. Der Abstand zu den Absolventen unserer Exzellenzuniversitäten ist größer geworden.“ Und die Tests wie Pisa zeigten, dass Abschlüsse und tatsächlich erworbene Kompetenzen weit auseinanderfallen. „Der nationale und internationale Wettbewerb hat wohl zu einem Notendumping geführt. Man erhält einen Abschluss, hinter dem oft nichts steckt. Damit verlieren Schulen ihre Glaubwürdigkeit“, monierte die WZB-Präsidentin
Dumping sieht sie auch beim Abitur, denn es gebe eine „Unsicherheit, was eigentlich hinter einem Abitur steckt“. Die Schulformen und Fachkombinationen seien vielfältiger geworden, der Stoff habe sich durch die nun achtjährige Gymnasialzeit zumindest in klassischen Gymnasien reduziert. „Dass Schüler in acht Jahren genauso viel lernen wie in neun Jahren, wird behauptet, ist aber unrealistisch“, sagte Allmendinger.

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