Infrastrukturaktien: Die stillen Profiteure des KI-Booms

© agsandrew - Fotolia.comDer globale Strombedarf wächst schneller denn je und schafft ein Anlagefeld, das weit über den KI-Hype hinausreicht. Welche Unternehmen jetzt zu den Profiteuren gehören und warum eine kluge Infrastrukturstrategie entscheidend ist. Gastbeitrag von Claus Walter, Geschäftsführer der Freiburger Vermögensmanagement GmbH

Der weltweite Strombedarf steigt rasant. Wärmepumpen, Klimaanlagen, das Aufladen von Elektroautos verbrauchen zunehmend elektrische Energie. Hinzu kommen Treiber wie das Mining von Kryptowährungen und der Einsatz künstlicher Intelligenz. Die derzeit weltweit entstehenden Rechenzentren verbrauchen große Mengen Strom sowohl für die Rechenleistung als auch für die Kühlung der Anlagen. Laut einer im Februar erschienenen Studie des Beratungsunternehmens McKinsey könnte sich der weltweite Strombedarf von Rechenzentren von rund 600 TWh im Jahr 2025 auf etwa 1.600 TWh bis 2030 erhöhen.

Solche Szenarien beflügeln Visionen. Tesla- und SpaceX-Gründer Elon Musk fabulierte kürzlich von Rechenzentren, die als Satelliten im Weltall betrieben werden könnten, um günstig Solarenergie zu nutzen. Unabhängig von solchen visionären Szenarien steht fest: Eine günstige und zuverlässige Stromerzeugung wird der entscheidende Faktor der Digitalisierung. Dies zeigen Bemühungen großer Tech-Konzerne wie Alphabet/Google (ISIN US02079K3059) oder Microsoft (ISIN US5949181045), für die Versorgung ihrer Rechenzentren Atomkraftwerke neu zu bauen oder alte Anlagen wieder in Betrieb zu nehmen.

Power Profiteure

Für Anleger ergeben sich neben den Aktien von klassischen Versorgern gleich in mehreren Bereichen Chancen: Etwa Hersteller von Notstromlösungen, die die Zuverlässigkeit von Rechenzentren im Falle eines Blackouts garantieren. Der Ausbau von Stromnetzen, Rechenzentren und Ladeinfrastruktur wird ohne Kabel, Transformatoren und Installationsleistungen kaum möglich sein. Hersteller entsprechender Komponenten dürften ebenso volle Auftragsbücher haben wie Unternehmen, die diese Netze installieren und betreiben.

Trotz des gigantischen Energiehungers sind solche Aktien keine Selbstläufer. In den Kursen vieler interessanter Unternehmen ist das Geschäft mit dem erhöhten Strombedarf bereits enthalten. Sollte es zu einem Einbruch der Weltwirtschaft kommen und der Strombedarf sich nicht wie prognostiziert entwickeln, können die Erwartungen schnell enttäuscht werden. In den letzten Jahrzehnten hat sich die Zunahme des Strombedarfs relativ gleichlaufend zur Weltwirtschaftsentwicklung bewegt. Sollten sich zudem die Zweifel mehren, ob sich die enormen Investitionen in den Bereich künstliche Intelligenz irgendwann rechnen werden, könnte die Entwicklung ausgebremst werden.

Breit investieren schützt

Tatsächlich darf das Thema KI und Digitalisierung nicht überbewertet werden. Laut der Internationalen Energieagentur soll die weltweite Stromproduktion bis 2030 jährlich um rund 3,6 Prozent wachsen. Haupttreiber sind zumindest die aufstrebenden Wirtschaftsnationen wie China und Indien. Auch dort ist KI ein Thema – aber letztlich nur ein Faktor unter vielen. Elektrische Infrastruktur zählt unabhängig davon zu den kritischen Zukunftsthemen und ist damit ein langfristig relevantes Anlagefeld.

Um Risiken zu verteilen, sollten Anleger in Unternehmen aus verschiedenen Branchen, Regionen und Währungsräumen investieren, die bei einem zunehmenden Strombedarf profitieren sollten.

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