Der Wettbewerb um Tagesgeldkunden nimmt weiter Fahrt auf. Während viele Bestandskunden noch immer rund 1,3 Prozent erhalten, schrauben einzelne Institute ihre Aktionszinsen deutlich nach oben. Zwei neue Angebote mit bis zu vier Prozent – garantiert für sechs Monate.
Im Zins-Wettlauf um die vier Prozent Tagesgeld bekommt derzeit die NorisbankBesonders viel Aufmerksamkeit. Sie kündigt 4,0 Prozent Zinsen p.a. für sechs Monate an. Der Aktionszeitraum läuft vom 1. Juli bis 31. Dezember 2026.
Allerdings gilt das Angebot nur für Neukunden – und nur in Kombination mit einem Girokonto. Das Girokonto ist unter bestimmten Bedingungen kostenlos, etwa für unter 30-Jährige oder bei mindestens 500 Euro monatlichem Geldeingang. Zudem gibt es eine Wechselprämie von 120 Euro, wenn mehrere Zahlungspartner umgestellt werden.
Ein weiteres Detail: Einlagen, die vor dem 1. Juli 2026 eingehen, werden zunächst nur mit 0,75 Prozent verzinst. Erst ab Aktionsstart greift der erhöhte Zinssatz. Die Zinsauszahlung erfolgt quartalsweise.
JPMorgan Chase mischt ebenfalls mit
Auch die US-Großbank JPMorgan Chase drängt verstärkt in den europäischen Sparmarkt und bietet in Deutschland über ihre Direktangebote ebenfalls bis zu vier Prozent für Neukunden an – befristet und gedeckelt.
Die Strategie ist klar: Mit hohen Einstiegszinsen sollen Einlagen eingesammelt werden. Nach Ablauf der Aktionsfrist sinken die Konditionen in der Regel deutlich.
Drei Prozent sind inzwischen Standard – zumindest für Neukunden
Neben den Vier-Prozent-Offerten zahlen inzwischen zahlreiche Banken zwischen 3,0 und 3,4 Prozent – meist garantiert für drei bis sechs Monate.
Beispiele sind Direktbanken wie die Postbank mit 3,2 Prozent, allerdings ebenfalls nur in Kombination mit einem Girokonto und aktiver Nutzung. Auch hier gilt: Mehrere monatliche Buchungen sind Voraussetzung, damit der Aktionszins bestehen bleibt.
Andere Anbieter wie BBVA, ING oder Consorsbank bewegen sich ebenfalls im Bereich von rund drei Prozent – meist zeitlich begrenzt.
Bestandskunden bleiben oft zurück
Während Neukunden umworben werden, sieht es für Bestandskunden deutlich nüchterner aus. Der durchschnittliche unbefristete Tagesgeldzins liegt aktuell bei rund 1,3 Prozent.
Das bedeutet: Wer nicht regelmäßig vergleicht oder wechselt, verzichtet unter Umständen auf mehrere hundert Euro Zinsvorteil pro Jahr.
Einordnung: Was bedeutet das im aktuellen Zinsumfeld?
Die Europäische Zentralbank hat den Leitzins zuletzt bei 2,0 Prozent belassen. Tagesgeldangebote mit vier Prozent liegen damit deutlich darüber – zumindest befristet.
Inflationsraten um knapp drei Prozent sorgen zusätzlich dafür, dass Sparer reale Renditen im Blick behalten müssen. Wer dauerhaft über drei Prozent erzielen will, muss derzeit flexibel bleiben und Angebote aktiv prüfen.
Der entscheidende Punkt: Befristung und Bedingungen
Fast alle Top-Angebote sind zeitlich begrenzt. Nach drei oder sechs Monaten fallen die Zinsen oft auf deutlich niedrigere Bestandskonditionen zurück.
Zudem sind viele Spitzenzinsen an Bedingungen geknüpft:
– Girokonto-Eröffnung
– Mindestgeldeingang
– aktive Kontonutzung
– Einlagenobergrenzen
Wer diese Details übersieht, könnte enttäuscht werden.
Fazit
Vier Prozent Tagesgeld sind derzeit möglich – aber meist nur mit Zusatzbedingungen und nur für Neukunden.
Der Markt ist in Bewegung, der Wettbewerb nimmt zu. Für Sparer bedeutet das: vergleichen, Konditionen prüfen und das Kleingedruckte lesen.
Wer flexibel ist, kann vom Zinswettlauf profitieren. Wer bequem bleibt, erhält oft nur einen Bruchteil der aktuell möglichen Rendite.
Wenn Sie kurzfristig Liquidität parken möchten, kann es lohnend sein, andere Angebote im Vergleich mit klassischen Tagesgeldkonten zu prüfen.