
Spätestens mit der Zulassung von Spot-ETFs in den USA im Jahr 2024 und dem Einstieg großer Vermögensverwalter wie BlackRock sind Kryptoanlagen in den Portfolios angekommen. Gleichzeitig hat das vergangene Jahr eindrucksvoll gezeigt: Die zunehmende Professionalisierung hat die extremen Kursschwankungen keineswegs gebändigt. Ein Gastbeitrag von Markus Richert, Finanzplaner bei der Portfolio Concept Vermögensmanagement GmbH in Köln.
Seit diesem Jahr gilt der Kryptomarkt durch ETFs und die zunehmende Integration der Banken als etabliert. Stabil ist er keineswegs. Viele Privatanleger blicken fasziniert, aber ratlos auf die Entwicklung. Die zentrale Frage bleibt: „Was kaufe ich da eigentlich? Handelt es sich um eine werthaltige Anlage oder um reine Spekulation?“ Nicht zuletzt deswegen, weil Anleger erneut heftige Ausschläge und scharfe Korrekturen hinnehmen mussten.
Preis und Wert
In traditionellen Anlageklassen ergibt sich der innere Wert aus erwartbaren Zahlungsströmen. Aktien liefern Dividenden und Gewinnbeteiligungen, Anleihen Zinsen, Immobilien Mieteinnahmen.. Auf Basis dieser Cashflows lässt sich ein fairer Wert berechnen.
Kryptowährungen wie der Bitcoin sind unproduktive Vermögenswerte. Es gibt keinen Cashflow, keine Bilanz und keine Gewinnausschüttung. Nach den klassischen Bewertungsmodellen ist der innere Wert null. Wer einen Bitcoin kauft, hofft nicht auf Erträge aus dem Asset, sondern einzig darauf, dass ihm jemand anderes dieses Asset später zu einem höheren Preis abkauft. Kritiker bezeichnen dies als die „Greater Fool Theory“.
Das Narrativ vom digitalen Gold
Befürworter sehen Bitcoin als digitales Gold und zeitgemäße Version des klassischen Edelmetalls. Beide Assets zahlen keine Zinsen; ihr Wert basiert auf Vertrauen und der begrenzten Verfügbarkeit. Die Menge an Bitcoin ist auf 21 Millionen Stück limitiert. Das schafft eine mathematisch verankerte Inflationsbremse.
Doch während Gold über Jahrzehnte hinweg als Krisenschutz galt, verhielt sich der Bitcoin-Kurs in der Vergangenheit selten wie ein stabiler Sicherheitsanker, sondern ähnelte vielmehr hochspekulativen Technologieaktien. Bitcoin mag die Knappheit von Gold besitzen, aber nicht dessen Stabilität.
Die extremen Kursschwankungen mit teilweisen Einbrüchen im zweistelligen Prozentbereich sind für konservative Investoren oft schwer verdaulich. Hinzu kommen regulatorische Unsicherheiten und technische Gefahren wie Hacks oder der Verlust privater Schlüssel. Das größte strukturelle Risiko bleibt jedoch das Fehlen einer fundamentalen Bewertungsgrundlage. Bei fallenden Aktienkursen fängt oft der Buchwert oder die Dividendenrendite den Preis auf, während bei Kryptoanlagen dieser Boden fehlt und der Preis so lange fällt, bis die Psychologie des Marktes dreht.
Ungeachtet der Risiken hat sich der Markt für Kryptoanlagen etabliert und professionalisiert. Kryptowährungen sind zwar noch nicht „too big to fail“, aber aufgrund der institutionellen Durchdringung mittlerweile „too big to ignore“.
Für Privatanleger bleibt ein Engagement hochriskant. Kryptowährungen eignen sich keinesfalls für den Vermögenserhalt oder zur Altersvorsorge. Zu groß ist die Gefahr, impulsiv auf Hypes zu reagieren – und teuer dafür zu bezahlen. Eine Beimischung ist nur dann sinnvoll, wenn der Totalverlust verschmerzt werden kann. Wer die enorme Volatilität nicht aushält oder die technische Komplexität nicht durchdringt, sollte lieber verzichten.