
2027 soll es kommen: das neue Altersvorsorge-Depot, kurz AV-Depot. Politik und Verbraucherschützer diskutieren seit Monaten, Finanz-Communitys spekulieren – und viele stellen sich dieselbe Frage: Ist das endlich die bessere Riester-Rente? Oder nur alter Wein in neuen Schläuchen? Noch ist nicht jedes Detail final beschlossen. Aber vieles ist bereits klar genug, um die wichtigsten Fragen zu beantworten.
Was ist das Altersvorsorge-Depot überhaupt?
Das AV-Depot soll eine staatlich geförderte, kapitalmarktbasierte Altersvorsorge werden. Im Kern ähnelt es einem Wertpapierdepot, in das Du selbst investierst – allerdings mit staatlicher Förderung und bestimmten Regeln.
Du kannst jährlich:
- bis zu 1.800 Euro gefördert einzahlen
- zusätzlich freiwillig bis zu 5.040 Euro einzahlen
Auf die geförderten Beiträge gibt es voraussichtlich Zulagen oder steuerliche Vorteile. Das Geld soll langfristig am Kapitalmarkt investiert werden – also typischerweise in Fonds oder ETFs.
Wo kannst Du das AV-Depot eröffnen?
Nach aktuellem Stand bei verschiedenen Anbietern:
- Neobroker
- klassische Depotanbieter
- Banken
- Versicherer
- Fondsgesellschaften
Wichtig: Anbieter dürfen entweder ein staatlich definiertes Standardprodukt anbieten oder das AV-Depot in eigene Produktkonstruktionen integrieren – etwa mit Versicherungsmantel.
Genau hier liegt eine mögliche Kostenfalle. Erfahrungsgemäß waren komplexe Kombiprodukte in der Vergangenheit oft teuer und wenig transparent.
Außerdem ist geplant, dass es eine staatlich organisierte Variante geben soll. Details dazu stehen allerdings noch aus.
Ist das Geld geschützt, wenn Du Bürgergeld bekommst?
Hier geht es um das sogenannte Schonvermögen.
Noch ist nicht final geregelt, ob das gesamte Kapital geschützt ist. Wahrscheinlich ist aber: Der geförderte Teil dürfte als Schonvermögen gelten. Dazu zählen:
- Deine Einzahlungen bis 1.800 Euro jährlich
- staatliche Zulagen
- die darauf erzielte Rendite
Zusätzliche freiwillige Einzahlungen könnten hingegen nicht vollständig geschützt sein. Hier orientiert sich das Modell vermutlich an der bisherigen Riester-Logik.
Kannst Du das AV-Depot vererben?
Vermutlich ja – ähnlich wie bei Riester.
Wahrscheinlich wird das Kapital auf Ehepartner übertragbar sein, sofern diese den Vertrag übernehmen. Bei Kindern dürfte es komplexer werden. Förderansprüche könnten an Bedingungen wie Kindergeldanspruch geknüpft sein.
Grundsätzlich bleibt das angesparte Kapital erhalten. Wie genau Förderungen im Todesfall behandelt werden, ist aber noch nicht abschließend geregelt.
Lohnt sich ein Wechsel von Riester?
Nach aktuellem Gesetzesentwurf soll ein Übertrag möglich sein – ohne Verlust der bisherigen Förderung.
Die Wechselkosten sind gedeckelt:
- Bei Verträgen unter fünf Jahren: maximal 150 Euro
- Bei älteren Verträgen: keine Kosten beim bisherigen Anbieter
- Auch der neue Anbieter darf höchstens 150 Euro verlangen
Ein Wechsel kann sinnvoll sein, wenn:
- Dein Riester-Vertrag hohe Kosten hat
- das AV-Depot deutlich günstiger ist
- Du einen stillgelegten Vertrag wieder aktivieren möchtest
Weniger sinnvoll ist es, wenn Dein bestehender Vertrag sehr günstige Konditionen bietet oder Du besonders stark von der Förderung profitierst.
Wie flexibel ist das AV-Depot?
Weniger flexibel als ein normales Depot.
Wenn Du vor dem 65. Lebensjahr Geld entnimmst, musst Du Zulagen und Steuerersparnisse zurückzahlen. Die Rendite auf diese Zulagen darfst Du jedoch behalten.
Der Staat stellt Dir also über viele Jahre Kapital zur Verfügung – zinsfrei. Das kann langfristig wirken wie ein Rendite-Booster.
Wie teuer wird das Ganze?
Für das Standardprodukt ist aktuell ein Kostendeckel von bis zu 1 Prozent pro Jahr im Gespräch.
Das klingt moderat – ist aber im Vergleich zu sehr günstigen ETF-Sparplänen durchaus hoch.
Es gibt Hinweise, dass einzelne Anbieter deutlich unter 0,5 Prozent liegen könnten. Entscheidend wird sein, wie transparent die Kosten tatsächlich sind.
Langfristig gilt: Schon 0,5 Prozentpunkte Unterschied können über 30 Jahre mehrere Tausend Euro Rendite kosten.
Für wen lohnt sich das AV-Depot?
Es könnte attraktiv sein für:
- junge Berufstätige mit langer Laufzeit
- Personen mit Anspruch auf staatliche Förderung
- Sparer, die diszipliniert langfristig investieren wollen
Weniger attraktiv dürfte es sein für:
- Menschen, die maximale Flexibilität wünschen
- Anleger, die ohnehin kostengünstig selbst per ETF sparen
- Personen ohne nennenswerte Förderung
Fazit: Revolution oder Reform?
Das Altersvorsorge-Depot hat das Potenzial, die geförderte Altersvorsorge deutlich kapitalmarktnäher und transparenter zu machen als Riester.
Ob es wirklich ein Durchbruch wird, hängt vor allem von zwei Faktoren ab:
- Wie niedrig sind die tatsächlichen Kosten?
- Wie einfach und verständlich wird das Produkt umgesetzt?
Die Idee ist vielversprechend. Der Erfolg entscheidet sich – wie so oft – im Kleingedruckten.
Und genau deshalb lohnt es sich, jetzt schon die richtigen Fragen zu stellen.