Krisenresistente Geschäftsmodelle, starke Bilanzen und klare Wettbewerbsvorteile entscheiden darüber, welche Unternehmen in turbulenten Zeiten überzeugen. Woran Anleger Resilienz erkennen und welche Strategien erfolgreich sind. Gastbeitrag von Claus Walter, Geschäftsführer der Freiburger Vermögensmanagement GmbH
Die Aktienauswahl hängt in Krisenzeiten maßgeblich von der Resilienz eines Unternehmens ab. Widerstandsfähige Firmen verkraften makroökonomische Schocks, bewahren ihre Strategie und nutzen Turbulenzen oft für antizyklische Investitionen, Marktanteilsgewinne oder Übernahmen. Während schwächere Wettbewerber unter Druck geraten, handeln sie aus einer Position der Stärke – ein klarer Vorteil in volatilen Phasen.
Wichtige Kennzahlen
Um die finanzielle Widerstandsfähigkeit von Unternehmen einschätzen zu können, sollten Investoren auf bestimmte Kennzahlen achten:
Der Zinsdeckungsgrad – das Verhältnis von operativem Gewinn (EBIT) zu Zinsaufwand – und der Nettoverschuldungsgrad, der zeigt, wie lange ein Unternehmen benötigt, um seine Nettoschulden aus dem operativen Gewinn abzuzahlen, sind dabei entscheidend.
Eine hohe Free-Cashflow-Marge zeigt, dass nach Investitionen genügend Mittel verbleiben, um Krisen zu überstehen oder Dividenden auszuschütten. Eine hohe Rendite auf das eingesetzte Kapital im Vergleich zu den Renditeanforderungen der Investoren (Kapitalkosten) belegt die Stärke und Preissetzungsmacht eines Unternehmens.
Resiliente Unternehmen
Beispiele für widerstandsfähige Unternehmen sind Microsoft, Linde und LVMH. Microsoft (ISIN US5949181045) profitiert von einem hohen Anteil an wiederkehrenden Umsätzen durch Abo-Modelle für Office 365, Windows oder den Clouddienst Azure. Für viele Unternehmen ist ein Verzicht auf diese Systeme selbst in Krisenzeiten kaum möglich oder mit hohen Wechselkosten verbunden. Linde (ISIN IE000S9YS762) schließt mit seinen Industriekunden oft jahrzehntelange Verträge ab. Steigen die Energiepreise, werden diese automatisch an die Kunden weitergereicht. Das macht das Geschäftsmodell widerstandsfähig gegen externe Schocks.
LVMH (ISIN FR0000121014) bietet Marken wie Louis Vuitton oder Dior. Diese Luxusgüter reagieren weniger sensibel auf Konjunkturschwankungen.Die Zielgruppe verändert ihr Kaufverhalten bei steigenden Zinsen oder Inflation nur wenig, was dem Unternehmen eine starke Preissetzungsmacht verleiht.
Mit ETFs auf Resilienz setzen
Anleger können gezielt auf diese Resilienz setzen. So investiert etwa der iShares Edge MSCI World Quality Factor ETF (ISIN IE00BP3QZ601) nur in Aktien, die sich durch eine hohe Eigenkapitalrendite, stabiles Gewinnwachstum und geringe Verschuldung auszeichnen. Der VanEck Morningstar Wide Moat ETF (ISIN IE00BL0BMZ89) sucht gezielt Unternehmen mit strukturellen Wettbewerbsvorteilen, die Margen auf Jahrzehnte schützen.
Minimum-Volatility-ETFs wie der Xtrackers MSCI World Minimum Volatility (ISIN IE00BL25JN58) bieten eine stabilere Wertentwicklung durch die Auswahl von Aktien mit geringen Kursschwankungen. Dividenden-Aristokraten-ETFs wie der SPDR S&P Global Dividend Aristocrats (ISIN IE00B9CQXS71) investieren in Unternehmen, die ihre Dividende über viele Jahre hinweg steigern konnten, Dies gilt häufig als Hinweis, dass sie Krisen erfolgreich gemeistert haben.
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