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„Jeder Selfie mit Poldi bringt Merkel zwei Prozent mehr in den Umfragen“

Nach Einschätzung von Politikwissenschaftlern kann sich der Gewinn der Fußballweltmeisterschaft positiv auf die Beliebtheitswerte von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auswirken.

„Am meisten profitiert die Kanzlerin von der Nationalmannschaft ja nicht dadurch, dass sie sich irgendwelche Techniken oder leadership styles abschaut, sondern durch die Publicity“, sagte Andrea Römmele, Professorin für Kommunikation in Politik und Zivilgesellschaft an der Hertie School of Governance in Berlin, im Gespräch mit Handelsblatt Online. „Jeder Selfie mit Poldi bringt ihr 2 Prozent mehr Zustimmung in der nächsten Umfrage zur persönlichen Beliebtheit der Politiker.“

„Natürlich gibt es einen Stimmungsaufschwung im Land“, ist auch der Passauer Politikwissenschaftler Heinrich Oberreuter überzeugt. „Optimismus und Wohlbefinden nützen den Regierenden immer, also auch ! der Kanzlerin, nachdem sie das Gesicht der Regierung ist und die Chance genutzt hat, vor Ort mitzujubeln und in den Jubelbildern präsent zu sein“, sagte Oberreuter Handelsblatt Online. Aber ein „Langzeiteffekt“ sei nicht zu erwarten. „Selbst in den anstehenden Landtagswahlen wird nicht der Fußball den Ausschlag geben.“

Allerdings könne die Bundesregierung von der deutschen Mannschaft lernen. „Abschauen kann sich Merkels Kabinettsteam Kampfgeist, Hartnäckigkeit, Mut, Fairness und Konsequenz“, sagte Oberreuter. Es könne sich „Einsatzbereitschaft auch für den unterstützungsbedürftigen Nebenmann“ abschauen. „Aber das ist in der Politik eine Illusion, weil am Ende die beiden Partner doch für sich und ihre Positionen kämpfen – also um den eigenen Vorteil“, fügte Oberreuter hinzu. „Diesem generellen Ziel ist letztlich jeder Teamspirit untergeordnet.“

Der Tübinger Politikwissenschaftler Josef Schmid sieht bereits Parallelen zwischen der Politik Merkels und der Taktik der deutschen Nationalmannschaft. „Die gewonnene WM baut auf derselben Basis auf, wie die Bewältigung der Euro- und Bankenkrise in Deutschland: Zusammenarbeit aller wichtigen Gruppen, harte Arbeit und Disziplin – und Erfolg am Ende“, sagte der Professor, der schon länger über die Wechselwirkung von Fußball und Politik forscht, Handelsblatt Online. Gleichwohl sei Politik kein Spiel und es gehe hier immer auch um Macht, fügte Schmid hinzu. „Es gelten also andere Regeln für das harte Geschäft.“ Dennoch ist der Experte überzeugt: „In der weichen Darstellung kann man sicher vom Fußball lernen.“

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