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Sind Kreuzfahrtschiffe so sicher wie nie?

© Dudarev Mikhail - Fotolia.com

Der Fall schlug hohe Wellen: Seit der Havarie der „Costa Concordia“ Anfang 2012 ist das Thema Sicherheit auf Kreuzfahrtschiffen in den öffentlichen Fokus gerückt. Immerhin muss im Notfall auf einem Ozeanriesen die Einwohnerzahl eines ganzen Dorfes evakuiert werden – wenn es sein muss nachts, bei schlechtem Wetter, hohen Wellen und unter Zeitdruck.

Sicherheit auf Kreuzfahrtschiffen ist ein wesentliches Thema auf der Seatrade Europe vom 24. bis 26. September auf dem Gelände der Hamburg Messe. Die Branche versichert: Die Sicherheitsstandards in der Kreuzfahrtbranche sind hoch. Als Reaktion auf die Havarie der „Concordia“ habe die Cruise Lines International Association (CLIA), der weltgrößte Verband der Kreuzfahrtindustrie, die Schrauben noch weiter angezogen und das sogenannte „Global Cruise Industry Operational Safety Review“ (OSR) initiiert. „Als Ergebnis haben wir zahlreiche neue Sicherheitslinien eingeführt – jede von ihnen geht über die strengen internationalen regulatorischen Vorgaben hinaus und wurde von allen CLIA-Mitgliedern übernommen“, sagt Michael Ungerer, President AIDA Cruises. „Die Operational Safety Review ist Teil unserer langjährigen Bemühungen, um kontinuierliche Verbesserungen und Innovationen bei der Schiffssicherheit und den Betriebsabläufen an Bord“, sagt Christine Duffy, Präsidentin und CEO von CLIA.

Eine andere Richtlinie für die Sicherheit an Bord von Kreuzfahrtschiffen wird im November 100 Jahre alt. Das sogenannte SOLAS-Abkommen (Safety of Life at Sea) wurde 1913 als Reaktion auf die Titanic-Katastrophe ins Leben gerufen. Laut bisheriger SOLAS-Regel soll die maximale Anzahl an Passagieren in einem Standard-Rettungsboot oder Tender im „Lifeboat-Modus“ 150 Personen nicht überschreiten. Die IMO fordert eine Einbootungszeit sämtlicher 150 Personen von maximal 30 Minuten.

Inzwischen werden aber auch Rettungsboote mit höherer Personenkapazität gebaut. So wurden etwa für die Norwegian Epic von Norwegian Cruise Line gesonderte Rettungsboote mit einer Kapazität von bis zu 300 Personen entwickelt. Für den Bau eines einzelnen Tender- oder Rettungsbootes benötigt man je nach Größe und Ausstattung etwa 40 Tage. Zwischen dem Auftragseingang und der Ablieferung eines kompletten Satzes für ein Kreuzfahrtschiff liegen gute zwei Jahre.

Die Reedereien und Werften inspizieren ihre Flotten und rüsten weiter auf. So wird etwa die Carnival Cruise Lines in den kommenden Monaten rund 300 Millionen US-Dollar in den Ausbau der Sicherheitssysteme auf allen ihren 24 Kreuzfahrt-Schiffen investieren. Vor allem die Feuerschutz- und Brandbekämpfungseinrichtungen werden auf den neuesten Stand gebracht. Darüber hinaus soll die technische Unabhängigkeit – die sogenannte Redundanz – der zwei separaten Maschinenräume weiter erhöht werden.

Stefan Jäger, Präsident der European Cruiser Association (EUCRAS) e.V. in Wiesbaden bringt die Position der Kreuzfahrt-Branche auf den Punkt: „Die Autofahrt oder der Flug zum Schiff ist gefährlicher als die Kreuzfahrt selbst.“

Zu einem ähnlichen Resultat kommt der ADAC. Der renommierte Automobilclub hat im letzten Jahr die Sicherheit auf insgesamt zehn Kreuzfahrtschiffen der größten Reedereien geprüft. Das Ergebnis: zwei Mal vergab der ADAC die Note „sehr gut“ für die „AIDAbella“ und die „AIDAdiva“ der Reederei AIDA Cruises. Sämtliche anderen Kreuzfahrtschiffe erhielten ein „gut“. „Die getesteten Schiffe waren alle auf dem neuesten technischen Stand, also mit modernen Sicherheits-, Rettungs- und Brandschutzeinrichtungen ausgerüstet. Die Crews waren in den meisten Fällen professionell und routiniert bei den Übungen“, heißt es im Testbericht.

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