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Umstellung auf neue Beitragssätze der Kassen zum Jahreswechsel ist „verrückt“

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Die gesetzlich Krankenversicherten in Deutschland müssen sich wieder auf steigende Kosten einstellen.

Der Chef der Techniker Krankenkasse (TK), Jens Baas, sagte im Interview mit dem Nachrichtenmagazin FOCUS: „Ja, perspektivisch wird es mehr kosten.“ Zwei Jahre lang habe man mit dem gesetzlichen Einheitsbeitragssatz für alle Kassen von 15,5 Prozent Ruhe gehabt, „weil man den Mitgliedern zu viel abgenommen hat“. Baas bezeichnete es als „Betrug am Beitragszahler“, dass die angehäuften Milliardenrücklagen der Kassen am Ende zum Beispiel an Ärzte und Kliniken ausgezahlt wurden.

Der Vorstandsvorsitzende von Deutschland größter Krankenkasse (9,2 Mio. Versicherte) kritisierte zudem die Umstellung auf die neuen Beitragssätze zum Jahreswechsel: „Wenn man sagt ‚Lieber Versicherter, der Beitragssatz ist 2015 zwar niedriger als im alten Jahr, du musst aber einen Zusatzbeitrag zahlen‘, dann versteht das niemand. Denn ‚Zusatz‘ heißt im Sprachgebrauch ‚mehr‘“, so Baas zu FOCUS. Ab 2015 gilt ein allgemeiner Beitragssatz für alle Kassen von 14,6 Prozent, auf den jede Kasse jedoch bei Bedarf Zusatzbeiträge aufschlagen darf.
Als „merkwürdigen Auswuchs“ bezeichnete Baas die Tatsache, dass der Beitragssatz der TK leicht sinken wird, weil die Kasse nur 0,8 Prozentpunkte Zusatzbeitrag verlangen wird, also insgesamt 15,4 Prozent, und dennoch alle Mitglieder ein Sonderkündigungsrecht erhalten. „Ganz verrückt“ werde es bei Kassen, die im neuen Jahr über 15,5 Prozent hinaus gingen: Sie müssten ihren Mitgliedern bis Jahresende mitteilen, dass es andere Kassen gibt, die günstiger sind, sagte Baas FOCUS. „Man stelle sich das einmal in der restlichen Wirtschaftswelt vor: Ich habe einen Mercedes gekauft und kriege dann einen Brief, in dem steht, es gibt auch einen BMW, der genauso toll ist, aber günstiger, und dass ich meinen Mercedes jederzeit gegen den BMW umtauschen darf. Geht’s noch?“

Ebenso scharf kritisierte Baas die Informationsbriefe zur Umstellung auf die neuen Beitragssätze, die bis Silvester alle 50 Millionen Beitragszahler der gesetzlichen Kassen erhalten sollen: „Wir rechnen über alle Kassen hinweg mit 20 bis 25 Millionen Euro Kosten nur für diese verwirrende Information. Dafür könnte man auch ein gutes Versorgungsprogramm für Kranke starten“, so der TK-Chef.

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