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Befristete Jobs wirken wie die Anti-Baby-Pille

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Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) sieht in der steigenden Zahl an zeitlich befristeten Arbeitsverträgen eine Ursache für die niedrige Geburtenrate in Deutschland.

„Befristete Jobs wirken wie die Anti-Baby-Pille“, sagte die SPD-Politikerin in einem Interview des Nachrichtenmagazins FOCUS. „Wir müssen es ernst nehmen, dass auch Paare mit Kinderwunsch in Deutschland zunehmend keinen Nachwuchs bekommen.“ Viele von ihnen erlebten massive Unsicherheit in der Arbeitswelt. Mehr als jeder zweite neu abgeschlossene Arbeitsvertrag sei befristet. „Da fehlt vielen die Planungssicherheit“, so Schwesig. „Es ist bitter, wenn Paare, die Kinder wollen, erst einmal keine Perspektive sehen.“

Schwesig kritisierte, dass außerdem noch immer Ganztagesplätze zur Betreuung von Kindern fehlten: „Mir erzählen viele Eltern, wie dankbar sie über den Kitaplatz waren. Aber wenn ihr Kind dann in die Schule kommt, macht die oft am Mittag dicht.“ Die Länder sollten deshalb Mittel, die wegen der Übernahme der Bafög-Kosten durch den Bund frei würden, auch in den Ausbau von Ganztagsschulen investieren.
Schwesig kündigte Initiativen an, damit Mütter wieder leichter von Teilzeit auf Vollzeitstellen wechseln könnten. „Meist sind gerade diejenigen, die sich neben ihrer Arbeit noch um Kinder oder pflegebedürftige Angehörige kümmern, wahre Organisationstalente“, sagte sie FOCUS. Sie dürften nicht ins Abseits gestellt werden. Deshalb begrüße sie, dass Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) das Recht auf Rückkehr in Vollzeit verwirklichen wolle.

An ihrem Modell für eine Familienarbeitszeit von beispielsweise jeweils 32 Stunden pro Elternteil und einem Lohnausgleich will die Ministerin festhalten. Mütter arbeiteten im Schnitt nur 19 Stunden in der Woche, Väter seien dagegen zu 96 Prozent in Vollzeit. „Sie wollen oft weniger arbeiten, die Mütter meist mehr“, so Schwesig. „Diese Rush hour des Lebens müssen wir entstressen. Es kann nicht sein, dass Frauen Vollzeit arbeiten, Kinder erziehen, den Haushalt schmeißen und sich um pflegebedürftige Angehörige kümmern.“

Der Gesellschaft sollte es nach den Worten der Familienministerin etwas wert sein, dass junge Paare arbeiten und Kinder erziehen. „Sie zahlen doppelt in unsere Sozialsysteme ein“, sagte sie. Deshalb verfolge sie die Idee einer Familienarbeitszeit weiter. „Ich reagiere mit meiner Politik nur auf die Wünsche junger Eltern: 60 Prozent der jungen Paare mit Kindern unter drei Jahren wollen Jobs und Erziehung gleichberechtigt regeln. Nur 14 Prozent tun es.“ Es sei Aufgabe der Politik, die Rahmenbedingungen zu verbessern.

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