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Kapitalmärkte steuern auf Exzesse zu

Andreas Leckelt, Geschäftsführer der LARANSA PWM GmbH

Erstmals in seiner Geschichte ist der DAX über die Marke von 9.000 Punkten geklettert. Für den Höhenflug der deutschen aber auch der europäischen und der amerikanischen Börse sieht Andreas Leckelt, Geschäftsführer der LARANSA PWM GmbH nur einen Grund: den Notenbanken unter der Führung der US-Notenbank Fed gelingt es offensichtlich nicht, die massive Flutung des Finanzsystems und der Märkte mit Liquidität auch nur leicht einzuschränken, ohne massive Verwerfungen auszulösen. In dieses Bild passt, dass schlechte Nachrichten von der Konjunktur bzw. steigende Haushaltsdefizite von den Marktteilnehmern seit einigen Monaten mit steigender Begeisterung aufgenommen werden. Die einfache Logik dahinter: Jede schlechte Nachricht steigert die Hoffnung, dass die Geldflut noch etwas länger anhält.

Exzesse an Immobilien- und Aktienmärkten

Gefördert von dem Bemühen der Zentralbanken, die Zinsen bei null zu halten, steuern die Kapitalmärkte nun im fünften Jahr der Erholung auf neue Exzesse zu. Dabei sind die deutlichsten Exzesse derzeit bereits am Immobilienmarkt auszumachen – im vergangenen Monat warnte die Bundesbank bereits in ungewöhnlich deutlicher Form vor substanziellen Übertreibungen am deutschen Wohnimmobilienmarkt. Aber auch an den Aktienmärkten deutet der extrem steile Anstieg in Kombination mit einem neuen Rekordhoch kreditfinanzierter Aktienkäufe in den USA auf eine Phase der Übertreibung hin.

Unlösbare Probleme

Gleichzeitig wird immer deutlicher, dass die weiter ansteigenden Rekordverschuldungen nahezu aller Industrienationen ein unlösbares Problem darstellen. Auch die seit Jahren ultralockere Geldpolitik kann die Staaten nicht auf den erforderlichen Wachstumspfad zurückbringen. Jeder Versuch des Schuldenabbaus ist zugleich eine Geschichte des verlorenen Wachstums und steigender Arbeitslosigkeit. Fataler Weise ist es insbesondere den europäischen Peripherieländern nicht gelungen, ihre Staatshaushalte seit der letzten großen globalen Rezession im Jahr 2009 zu sanieren. Die Europäische Zentralbank hat vorerst ausreichend Geld in die Märkte gepumpt, um die Kreditkosten für die Krisenstaaten zu senken und damit Zeit erkauft. Diese Maßnahme führt jedoch nicht dazu, die strukturellen Probleme dieser Länder zu lösen. Der Privatsektor in Südeuropa ist verkümmert, die Arbeitslosigkeit bleibt dementsprechend hoch, während die Staatsausgaben und die Schulden von einem bereits untragbaren Niveau weiter steigen. Länder wie Spanien und Italien sowie zunehmend auch Frankreich gehen als mehr oder weniger sturmreif geschossene Volkswirtschaften in die nächste weltwirtschaftliche Abkühlung hinein.

Derzeit ignorieren die Markteilnehmer die enormen negativen Rückkoppelungseffekte, die sich aus den schon vor einigen Monaten sichtbar gewordenen strukturellen Problemen der großen Schwellenländer ergeben. China beispielsweise und viele andere asiatische Länder erzielten ihr Wachstum in den letzten Jahren insbesondere auf Basis großer Sprünge in der Verschuldung des Privatsektors. Dieses Wachstumsmodel stößt jedoch an seine Grenzen und macht viele Schwellenländer sehr anfällig bei einem erneuten Vertrauensverlust der Investoren. Das aus diesen Umständen resultierende Verschwinden des global hoch willkommenen konjunkturellen Stimulus aus den Schwellenländern erfolgt jedoch zu einem gefährlichen Zeitpunkt, da Europa und die USA konjunkturell wie oben beschrieben nach wie vor schuldenüberladen lahmen.

Aufwärts ohne Ende

In Anbetracht der derzeit steil nach oben tendierenden Aktienmärkte stellt sich auf den ersten Blick die Frage, ob es nicht kundenfreundlicher und obendrein auch einfacher wäre, weiter optimistisch zu bleiben und nicht so explizit auf das Chance-Risiko-Verhältnis im Portfolio zu achten. Unseres Erachtens ist jedoch die Crash-Wahrscheinlichkeit vor dem Hintergrund der in weiten Teilen extremen Bewertungsmultiplikatoren an den Aktien, Renten- und Immobilienmärkten in den letzten Monaten stark gestiegen. Gleichzeitig ist die Ausgangstür erfahrungsgemäß so klein, dass nur wenige der Partygäste hindurch passen werden, wenn die Party an den Kapitalmärkten zu Ende ist. Das globale Finanzsystem ist nach wie vor in einer absolut beängstigenden Weise instabil. Es beruht
dem Grunde nach vollkommen auf Schulden und dem Glauben der Investoren an die Fähigkeit der Notenbanken, immer die richtige Menge Geld zu drucken und die Zinsen auf dem richtigen (null) Niveau zu halten. Wir gehören nicht zu den überzeugten Planwirtschaftlern und folglich fehlt uns auch der Glaube daran, dass es den Notenbanken diesmal gelingen wird, eine globale Abkühlung der Konjunktur zu vermeiden und gleichzeitig den Zyklus an den Finanzmärkten steuern bzw.- besiegen zu können. Für uns drängt sich vielmehr die Frage auf, welche Möglichkeiten den Notenbanken im nächsten wirtschaftlichen Abschwung noch verbleiben, angesichts eines aktuellen Zinsniveaus von nahezu null und einer ultralockeren Geldpolitik während sich die Weltwirtschaft heute im fünften Jahr des „Aufschwungs“ befindet.

Diese Konstellation könnte darauf hindeuten, dass die hochverschuldeten westlichen Industrienationen und ihre Notenbanken in einer „Todesspirale“ gefangen sind, aus der keine „normale Korrektur“ sondern nur noch ein großer Kollaps herausführt.

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